GINA ÉTÉ – Prosopagnosia / TINKA
«Prosopagnosie bezeichnet die Unfähigkeit, Personen anhand ihres Gesichtes zu erkennen.» (Wikipedia)
I am many faced and twisted
I am bold and scared
I am angry and understanding
And these few are just some of me
Auf ihrem zweiten Album “Prosopagnosia”, welches im Februar auf Backseat veröffentlicht wird, setzt sich GINA ÉTÉ mit Zuordnung, Wiedererkennung und Abgrenzung auseinander. Sie schreibt über Mensch-Sein, Körper-Sein und als-Frau-geboren-Sein, über entstandene Verletzungen, wenn persönliche Grenzen und Identitäten nicht wahrgenommen und falsche Zuordnungen gemacht werden. Und sie stellt die Frage, ob Prosopagnosie eine Krankheit ist, oder vielleicht auch ein Geschenk?
Die Zürcher Künstlerin präsentiert darauf kunstvollen Hybrid-Pop mit politischem Anliegen. So etwa die erste Single “Love to Work”: Darin thematisiert GINA ÉTÉ Carework – und spricht das gesellschaftliche Tabu an, Sexwork als Teil davon zu erzählen. «Es ist ein Versuch, meine angelernte, weisse, bürgerliche Sexualmoral zu hinterfragen, die von bestehenden Hierarchien herrührt. Mit “Love to Work” möchte ich mich für die Anerkennung und Wertschätzung aller Care-Berufe einsetzen.»
Ihre bisherigen Veröffentlichungen brachten der Schweizer Songwriterin Vergleiche mit Radiohead und Björk ein: rhythmisch vertrackt, genre-fluid, mit Einflüssen aus Klassik und Jazz. Kein Wunder, dass die studierte Bratschistin regelmässig von Acts gebeten wird, für Streichensemble zu arrangieren (Sophie Hunger, Panda Lux, Evelinn Trouble) oder bei Live-Shows zu unterstützen. So begleitet sie etwa Schweizer Indie-Grössen wie Faber, Black Sea Dahu oder To Athena auf Tour, ebenso wie den kanadischen Singer-Songwriter und Filmkomponisten Patrick Watson.
Auf “Prosopagnosia” steht jedoch GINA ÉTÉ im Mittelpunkt: Diesmal hat sie intensiver denn je co-produziert, gemeinsam mit Noé Franklé und Wannes Salomé (Luwten, Klangstof). Die Musikerin spielt auf ihrem Zweitwerk neben Viola auch Klavier, Synthesizer und Gitarre. Den Fokus hat sie auf edgy Beats, sphärische, raumgreifende Streicher-Arrangements und Synths gelegt. Dank ihrer eigenen Handschrift glänzt das Album in vielen Facetten, gewissermassen wie die Mimik eines Gesichts: mal subtil, mal expressiv, manchmal düster, dann wieder zartschön. «Boxes are your invention – I make my own» macht sie im Mission Statement deutlich. GINA ÉTÉ hat viele Gesichter und vereint diese auf “Prosopagnosia” kunstvoll zu ihrem einzigartigen Hybrid Pop.
TINKA
«Alles, was ich tue – führt zu nichts.» Ein Satz, der auf den ersten Blick nicht zu Tinkas Lebensphilosophie passt, doch genau solche zweifelnden Momente finden ihren Weg in ihre Songs. Die 21-jährige Singer-Songwriterin aus der Ostschweiz entdeckte ihre Liebe zur Musik schon früh und entwickelte sich von den Anfängen im Chor zu einer vielseitigen und eigenständigen Künstlerin und Songwriterin. Ihre Musik ermutigt dazu, sich den schwierigen Facetten der eigenen Gefühle zu stellen und nichts unausgesprochen zu lassen. Mit einer Mischung aus sanfter Melancholie und klaren, ehrlichen Worten erzählt sie authentisch von ihren Erfahrungen.


